Sophie & Ich – Für Schüler:innen

Liebe Schülerin, lieber Schüler

Hier gibt es Infos und Aufgaben zum Theaterstück «Sophie & Ich» für euch.
Entweder geht ihr das Stück demnächst schauen, oder ihr wart schon in einer Vorstellung.

Hast du von deiner Lehrperson einen Hinweis auf einen bestimmten Themenbereich oder einen Abschnitt darin enthalten? Klicke auf die Titel unten, dann gehen die Bereiche mit den Informationen, Aufgaben und Quizzes auf.

Oder du klickst dich einfach nach Lust und Laune quer durch.

Viel Spass damit!

Technischer Hinweis:
Wenn die Aufgaben nicht sofort erscheinen oder aufgehen, liegt das an der Upload-Rate. Klicke entweder auf den „Refresh“-Button oder mit der rechten Maustaste auf das gewünschte Thema oder die Aufgabe und wähle „Link in neuem Tab öffnen“. Dann sollte es klappen.

A) Fake News, Zensur, POVs und Bubbles

Wir steigen hier in ein grosses Thema ein und können an dieser Stelle nur einen Überblick und Anregungen geben, die euren Unterricht in Medienkompetenz ergänzen:

Von der faktenbasierten, sachlichen Darstellung über sogenannte „biased“ (einseitig beeinflusste) Berichterstattung, bis hin zu „fake news“ (Falschnachrichten) und „Zensur“. Was ist was? Und wie kann ich das erkennen?

Medien entscheiden durch ihre Auswahl, welche Themen „wichtig“ sind – oder erscheinen. Dazu gehören:

  • Radio, TV und Zeitungen (analog und digital)
  • Social Media, Online-Newsportale, News-Apps, Podcasts und Chat-Kanäle auf Messenger-Apps
  • Filme, Zeitschriften und Bücher,

Wenn zum Beispiel alle News-Apps zeitgleich über ein bestimmtes Thema berichten, denken wir automatisch, dass dies ein aktuell wichtiges Thema ist – auch wenn andere Dinge vielleicht viel bedeutender wären.

So setzen die Medien die Tagesordnung für unsere Gespräche und lenken unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung.
Was hat das alles für einen Einfluss auf deine Wahrnehmung und damit Meinungsbildung?

Schau dir zum Einstieg den Erklärfilm an (4 Minuten) und komme nachher auf diese Seite zurück, um den Fake News Test im nächsten Abschnitt zu machen.

Infovideo Medien (faktenbasiert, biased, fake news, Zensur)

Im Jahr 2025 erhielten 280 untersuchte gefälschte Beiträge auf Instagram und Tiktok rund 90 Millionen Online-Interaktionen (durchschnittlich 321’430 Klicks pro Beitrag, Analyse: Socialcom).

Die erste Erkenntnis ist die entscheidende Rolle der KI: Sie ist nicht nur ein zusätzliches Werkzeug, sondern auch ein Verstärker der Glaubwürdigkeit. Wir haben es nicht mehr mit offensichtlich gefälschten Texten zu tun, sondern mit Szenen und Bildern, die „real sein könnten“, insbesondere wenn sie ohne Ton, ohne Kontext oder im kontinuierlichen Scrollmodus betrachtet werden. Hier entsteht eine neue Generation von Fake News: raffinierter, schwerer zu entlarven und daher gefährlicher!

Welche der folgenden Bilder oder Nachrichten ist echt, welche ist fake (gefälscht)? Setzt euch zu zweit zusammen und löst das Quiz.

SRF Fake News Test

Diskutiert anschliessend im Forum, woran ihr gefälschte Nachrichten erkennen könnt!

Können Lukas und Amira Freunde bleiben, auch wenn sie in völlig unterschiedlichen Bubbles unterwegs sind?

Sicher hast du schon von den „Filterblasen“, den sogenannten Bubbles gehört.
Im folgenden Lückentext erfährst du, wie diese Bubbles entstehen.
Setzt euch zu zweit oder zu dritt zusammen und ordnet die Wörter zu. Danach geht es unten weiter für ein kleines Experiment mit Rollenspiel.
(Klicke den Refresh-Button, falls der Lückentext hier nicht sofort angezeigt wird)

Machen wir nun ein Experiment!

Amira und Lukas sind seit dem Kindergarten dicke Freunde und haben die ganze Primarschulzeit viel miteinander gespielt und erlebt.
Lukas war voll für Amira da, als sich Amiras Eltern vor 3 Jahren getrennt haben.
Allerdings verbringen sie seit dem Übertritt in die Oberstufe nicht mehr soviel Zeit miteinander.
Amira verbringt lieber Zeit mit ihren Mädels und Lukas macht sehr viel Sport.

(Klicke den Refresh-Button, wenn dir hier noch nicht die Rollenbeschreibungen für Amira und Lukas angezeigt werden!)

 

  • Geht in Kleingruppen von 5-6 Schüler:innen zusammen.
  • Teilt eure Gruppe in zwei Untergruppen auf: Eine für die Rollenvorbereitung für Lukas und eine für Amira. Es ist egal, welche Geschlechtsidentität du hast – jeder kann im Theater alle Rollen spielen!
  • Tragt nun pro Gruppe so viele Beispiele, Meinungen und Argumente wie möglich zusammen.
  • Kreiert die beiden Rollen und probiert sie aus: Wie würden sie reden, sich bewegen, sich verhalten? Was würden sie sagen? Was ist ihnen wichtig? Wie begegnen sie anderen Menschen?
  • Nutzt dafür die Stichworte der oben eingefügten Rollenbeschreibungen!

Ein Rollenspiel: Amira und Lukas begegnen sich

Es kann entweder eine Person aus den beiden Gruppen oder es können auch mehrerere Personen zusammen die Rolle der Amira oder des Lukas spielen!
Der Anfang der Szene (so-tun-als-ob!): 
  • Amira zeigt Lukas ein Video über Lernstress, Prüfungsdruck und Achtsamkeit.
  • Lukas lacht nur spöttisch und nennt es „Opfer-Mentalität“. Er erwidert, dass sie einfach mal „durchziehen“ müsse, statt sich auf ihren Diagnosen auszuruhen.

Wie könnte ihre Begegnung weitergehen?
Fühlt euch in die Rollen ein und improvisiert miteinander.
Folgt euren Impulsen und eurer Fantasie – alles ist richtig, denn niemand weiss, wie die Begegnung war oder sein würde.

POV: Point of View

(Hier entsteht noch ein neuer Erklärfilm)

Sophie und Traudl haben im Theaterstück „Sophie & Ich“ ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Geschehnisse des Nationalsozialismus und des 2. Weltkriegs.

In den Beschreibungen vieler Fotos oder Videos auf Instagram, Tiktok und Co. wird dafür heute die Abkürzung POV genutzt. „POV“ steht für Point of View – was grob übersetzt etwa Sichtweise, Standpunkt oder Blickwinkel bedeutet. Menschen, die diesen Ausdruck verwenden, möchten damit sagen, dass das Bild oder Video aus ihrem persönlichen Blickwinkel entstanden ist.

Das bedeutet aber auch, dass es für jedes Ereignis verschiedene POVs gibt und damit ganz verschiedene Wahrnehmungen.
Wenn eine Person sich in ihrer „Bubble“ (s. Karte 3) befindet, kann es gut sein, dass immer nur gleiche oder ähnliche POVs auf aktuelle Geschehnisse angezeigt werden und damit das Wissen um die anderen  Blickwinkel und Ansichten verloren oder vergessen geht.

In den Medien haben Aussagen von Zeugen, also Menschen, die bei einem Ereignis live dabei waren, eine einzigartige Macht.
Durch die emotionale Anziehungskraft der persönlichen Erfahrung, kann eine Aussage eine tiefere Verbindung zum Publikum herstellen.
So beeinflussen sie Meinungen, bewerten Dinge oder Personen auf gewollte und beabsichtigte Weise und beschleunigen Trends oder Bewegungen.

Es ist immer wichtig, die Glaubwürdigkeit, Relevanz und Vielfalt zu berücksichtigen, um ein umfassendes Verständnis eines Ereignisses zu bekommen!

  • Setzt euch zu zweit oder zu dritt zusammen und schaut euch die folgenden Bilder an.
  • Findet nachher Beispiele aus eurem Leben, bei denen Menschen aufgrund anderer Blickwinkel völlig unterschiedliche Meinungen haben.

(Wenn dir hier die Bilder nicht angezeigt werden, klicke auf den „Refresh“-Button oder öffne diese Karteikaste mit der linken Maustaste „in einem neuen Fenster“)

B) Ausgrenzung, Rassismus, Mobbing

Ausgrenzung umfasst absichtliche, oft wiederholte Schikanen (Mobbing) sowie Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Religion (Rassismus) oder Geschlecht. Sie zielt darauf ab, Personen zu erniedrigen, zu isolieren und Macht auszuüben.

3 Ebenen können unterschieden werden:

Die Mikro-Ebene

Etwa im Schulhaus oder im persönlichen Umfeld. Hier zeigt sich Ausgrenzung meist als soziales Mobbing. Einzelne Personen werden ausgeschlossen und abgewertet. Das kann zum Beispiel sein, weil ein Schüler oder eine Schülerin nicht die gleichen Markenklamotten trägt, weniger sportlich ist oder ein körperliches Merkmal hat, das auffällt.

Die Meso-Ebene

Bei der strukturellen, gesellschaftlichen Ausgrenzung werden bestimmte Personengruppen benachteiligt, abgewertet oder ausgeschlossen. Das kann beispielsweise sein, wenn Menschen mit ausländischem Namen trotz gleicher Ausbildung weniger oft eine Stelle erhalten, auf die sie sich bewerben. Obwohl eigentlich alle gleich behandelt werden müssten.

Die Makro-Ebene

Auf dieser Ebene erreicht Ausgrenzung ihre extremste Form: Sie wird staatlich legitimiert und verstärkt. Die Staatsform ist dabei häufig eine Autokratie; also ein Herrschaftssystem, in dem die Macht bei einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe liegt.
Die Regierung schreibt über Gesetze und Vorschriften die Ausgrenzung fest. Die Ausgrenzung wird zur offiziellen Politik eines Staates und wird durch deren Organe umgesetzt (Polizeistaat). 

Aspekte für staatlich gestützte Ausgrenzung:
Räumliche Trennung, politische Entrechtung & Ausschluss von politischer Mitbestimmung, Bewegungskontrolle, eingeschränkter oder gänzlich verweigerter Zugang zu Bildung & Kultur.

Die staatlich gestützte Ausgrenzung steigert sich von staatlicher Diskriminierung (z. B. Apartheid – Rassentrennung in Südafrika) bis hin zu Genoziden, bei denen die Existenzberechtigung ganzer Menschen- oder Völkergruppen geleugnet wird und die getötet werden. Die Ausgrenzung wird auf dieser Ebene als Machtinstrument genutzt, um die eigene Gruppe zu festigen und Sündenböcke für gesellschaftliche Krisen zu schaffen (z.B. Wirtschaftskrisen, Armut im Land).

Anerkannte Genozide: 

  • Indianische Völker in Amerika (17.-19. Jahrhundert)
  • Ovaherero und Nama in Namibia, damals Deutsch-Südwestafrika (1904-1908)
  • Armenier im Osmanischen Reich (1915-1917)
  • Pontus-Griechen im Osmanischen Reiche (1914 – 1923)
  • Holodomor – Ukrainer:innen im damaligen Russland (1932-1933)
  • Holocaust (Judenmord) in Europa (1941-1945)
  • Porajmus – europäische Sinti und Roma (1941 – 1945)
  • ethnische Minderheiten in Kambodscha (1975 – 1979)
  • Volk der Tutsi in Ruanda (1994)
  • Muslimische Bosniaken in Bosnien/ Srebenica (1995)
  • Volksgruppen der Fur, Masali und Zaghawa in Darfur (2003 – 2008)
  • Jesiden 2014 im Nordirak (2014 – 2017)
  • muslimische Rohingya in Myanmar (2016-2017)

Mit einem Überblick über die verschiedenen Rollen bei der Ausgrenzung und beim Mobbing steigen wir ein:
(Falls dir hier nicht sofort der Lückentext angezeigt wird, drücke den „Refresh-Button“!)

Was meint ihr, wer hat die beste Möglichkeit eine Ausgrenzung oder ein Mobbing zu stoppen?

Setzt euch in Kleingruppen (3-5 Schüler:innen) zusammen und diskutiert das anhand der verschiedenen Rollen. Formuliert einen Satz mit eurem Ergebnis, der klar macht, warum ihr das meint. Tauscht eure Ergebnisse im Forum aus.

Ein erstaunliches Phänomen: Je mehr Menschen bei einer Notfallsituation Zeugen sind, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft.

Warum ist es wichtig, sich über den Bystander-Effekt bewusst zu sein? Und was führt überhaupt dazu, dass Personen oder Personengruppen ausgegrenzt werden?

Hier geht’s zum Quiz:
(Falls das Quiz nicht sofort angezeigt wird, klicke den „Refresh“-Button!)

 

Hier kommen ein paar Fallvignetten, also Situationsbeschreibungen, die dir auch in deinem Leben begegnen können.

Setzt dich mit einer vertrauten Person zusammen, lest die Beispiele und besprecht miteinander, wie ihr mit so einer Situation umgehen würdet oder könntet.

Wenn sich die Fallvignetten hier nicht automatisch zeigen, klick auf den „Refresh-Button“!

 

C) Inszenierungstechniken

Die Textvorlage vom Theaterstück „Sophie & Ich“ „springt“ jeweils um einige Jahre, um eine Geschichte in einer Stunde zu erzählen, die sich eigentlich über 9 Jahre spannen würde.
Diese Sprünge sind bereits von der Autorin des Stückes vorgesehen.

Die Regisseurin vom Theater Bilitz hat für Ihre Inszenierung noch eine sogenannte Rahmenhandlung hinzugefügt: Zwei Kulturvermittlerinnen bauen für die zuschauende Klasse eine Ausstellung über Sophie Scholl auf und tauchen über das vorhandene Ausstellungsmaterial immer wieder in die damalige Zeit ab.

Zusätzlich werden Projektionen und Musik genutzt, um die verschiedenen Spielebenen zu unterscheiden.

Hier gibt es einen kurzen Erklärfilm zum Thema Zeitsprünge und unten noch eine Beobachtungsaufgabe dazu.

Beobachtungsaufgabe

Habt ihr das Theaterstück „Sophie & Ich“ schon angeschaut?
Dann versuche dich zu erinnern…

Geht ihr das Theaterstück demnächst schauen?
Dann pass gut auf und du kannst die Fragen nachher beantworten.

Werden dir die Quizaufgaben hier nicht sofort angezeigt?
Dann klick auf den Refresh-Button und das Quiz sollte laden und erscheinen!

Stell dir die Rahmenhandlung wie die Verpackung des Kerninhaltes vor.
Es ist die Geschichte über die Geschichte.
  • Die Struktur: Du hast eine Geschichte, die eine andere Geschichte umschliesst. Der Rahmen (die Rahmenhandlung) findet meistens in der „Realität“ statt, während die Binnenerzählung (die innere Handlung, die Kerngeschichte) oft eine Rückblende, ein Traum oder eine Erzählung ist.
  • Warum Regisseur:innen Rahmenhandlungen nutzen: Der Rahmen gibt dir den Kontext. Er erklärt, wer erzählt, wem erzählt wird und warum das Ganze wichtig ist. Durch die zusätzliche Spielebene der Rahmenhandlung lassen sich noch Erklär- oder Wissensinformationen einbauen – speziell wenn auf der Bühne komplexe Themen erzählt werden. 

Bei „Sophie & Ich“ besteht die Rahmenhandlung aus Pia und Emma, zwei Kulturvermittlerinnen, die eigentlich eine Ausstellung über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl aus dem 2. Weltkrieg aufbauen wollen.

Beim Aufbau bemerken Sie, dass eine falsche Kiste geliefert wurde. Darin ist Material zu Traudl Junge, einer Sekretärin von Adolf Hitler im 2. Weltkrieg.

Sie kommen miteinander auf die Idee, die Freundschaftsgeschichte von Traudl und Sophie (die es in der Realität nie gegeben hat) zu erfinden und zu spielen.

Nun seid ihr die Regisseur:innen!

Geht zu zweit zusammen und überlegt mit welcher anderen Rahmenhandlung diese Begegnung noch erzählt werden könnte (z.B. in einem Schreibwettbewerb, durch einen Traum eines Überlebenden des 2. Weltkriegs …).

Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Sammelt zum Abschluss im Forum die verschiedenen Ideen.

    Professionelles Theater mit Sitz im Theaterhaus Thurgau, Weinfelden.

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