No Limits?! – Für Schüler:innen

Liebe Schülerin, lieber Schüler

Zum Theaterstück „No Limits?!“ gibt es hier verschiedene Informationen und Übungen, die ihr einzeln, zu zweit oder in Kleingruppen machen könnt.

Vielleicht habt ihr ein Arbeitsblatt mit einem QR-Code von eurer Lehrperson erhalten?

Mit dem gelangt ihr direkt zur dazugehörigen Übung im Akkordeon. So heisst die Darstellung unten, in der ihr bereits die Aufgabentitel lesen könnt und das aufklappt sobald ihr draufklickt.

Ihr könnt euch aber auch ohne Arbeitsblatt einen Themenbereich aussuchen und darin eine oder mehrere Infobeiträge und Aufträge aussuchen. Ihr findet Informationen und Aufgaben, die euch zum Denken, miteinander Sprechen und (Schau-)spielen anregen. Viel Spass damit!

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Begriffe & Begriffsklärung, Recht & Gesetz

Wir begegnen auf dem Pausenplatz, im Gespräch mit Erwachsenen, in Videos und Snippets, in Filmen oder Reels ganz verschiedenen Begriffen rund um sexualisierte Gewalt. Sie sind zum Teil völlig klar, zum Teil aber auch sehr schwammig oder sogar irreführend. Was das Gesetzbuch oder die Menschenrechte damit zu tun haben – dazu gibt es hier einen ersten kleinen Einblick.

Sexualisierte Gewalt ist in der Schweiz weit verbreitet. Mindestens eine von fünf Frauen über 16 geben an, bereits ungewollte sexuelle Handlungen erlebt zu haben. Mehr als eine von zehn Frauen hat schon Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gehabt (Amnesty International Umfrage 2019). In den meisten Fällen kennt das Opfer den Täter, die Täterin.

Studien zeigen, dass die Gefahr sexueller Gewalt bei Jugendlichen vorwiegend von Gleichaltrigen ausgeht. In der Schweiz sind 14 % der Jugendlichen schon einmal zum Sexualverkehr gezwungen oder gegen ihren Willen an intimen Stellen angefasst worden. Rund ein Drittel der befragten Schülerinnen und Schüler haben schon einmal sexuelle Übergriffe ohne Körperkontakt erlebt, insbesondere übers Internet. Dabei beginnen Grenzüberschreitungen oft im Kleinen, manchmal ohne als gewalttätig erlebt zu werden. (Quelle: Kinderschutz Schweiz, Website Feb’24)

Minderjährige sind besonders geschützt

  • In der Schweiz wird die sexuelle Mündigkeit mit 16 Jahren erreicht, während die zivilrechtliche Volljährigkeit ab 18 Jahren besteht.
  • Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr sieht das Gesetz besondere Schutzmassnahmen vor. Zum Beispiel wenn es um die Gefährdung der Entwicklung und um Pornografie geht.
  • Beträgt der Altersunterschied zwischen Personen, die an sexuellen Handlungen beteiligt sind, mehr als drei Jahre und ist die jüngere Person unter 16, macht sich die ältere Person strafbar.
  • Sexuelle Handlungen zwischen einer minderjährigen Person im Alter zwischen 16 und 18 Jahren und Personen, zu denen der junge Mensch in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, sind verboten. Beispiele: Lehrperson, Trainer*in, Chef*in, Gruppenleiter*in usw.

Sexualisierte Gewalt kommt in verschiedenen Formen vor:

  • Sexualisierte Gewalt mit vaginaler, analer oder oraler Penetration oder versuchter Penetration
  • Sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt
  • Sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt
  • Weitere Formen sexualisierter Gewalt (kulturell, strukturell)

Ordne die Begriffe im folgenden Bild dem richtigen Bereich zu, schiebe sie dafür einfach in das entsprechende Feld.

Im Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB) steht geschrieben, welche Handlungen verboten sind und bestraft werden sollen.

Nachfolgend erhältst du eine Übersicht dazu, mit einer kurzen Verständnisfrage dazu und abschliessend der Aufgabe dich in drei verschiedene Personen hineinzuversetzen.

Klicke hier auf den Link zum Erklärvideo und beantworte das Quiz im Anschluss.

Und hier geht’s mit dem Quiz weiter:

Strukturen – Status – Grenzen

Bei sexualisierter Gewalt geht es immer um Machtausübung, Kontrolle und die Unterdrückung des Gegenübers. Sie drückt sich in gewalttätigen sexuellen Handlungen aus, die nicht einvernehmlich sind. Das heißt, die Gewalt wird sexualisiert und Grenzen werden überschritten. Dabei geht es nicht oder nicht vorrangig um sexuelle Befriedigung.
Sie ist Ausdruck hierarchischer bzw. patriarchaler Strukturen –   weltweit verbreitet in allen Kulturen, Religionen und Gesellschaften. Sexualisierte Gewalt kommt in allen sozialen Schichten und Einkommensklassen vor.

Die zugrunde liegenden Vorstellungen …

  • dass jemand aufgrund von Rang, sozialem Status, Ausbildung, Reichtum, Position im Unternehmen (hierarchische Struktur) ein „besserer Mensch“ ist
  • dass das Männliche dem Weiblichen überlegen sei (patriarchale Strukturen)

ist eine Ursache für sexualisierte Gewalt.
Meist dient die sexualisierte Gewalt dazu, Personen in einer niedrigen Position zu halten oder sie „kleinzumachen“, damit sie keine Bedrohung für den/ die Täter:innen wird. Als Bedrohung wird dabei auch schon die gleichberechtigte Begegnung auf Augenhöhe empfunden. Der/ die Täter:in möchte einen hohen Status für sich behaupten und dem Opfer einen niedrigen Status zuweisen.

„Master & Servant“
  • Geht zu Zweit oder zu Dritt zusammen
  • Macht ab, wer zuerst „Master“ (Chef:in, Herr:in, König:in) und wer zuerst „Servant“ (Arbeiter:in, Diener:in; Untertan:in) spielt. Wenn ihr zu Dritt seid ist die dritte Person die beobachtende Position.

Ablauf:

  • Master fragt den Servant vorwurfsvoll und ärgerlich, was denn geschehen ist und wie es soweit kommen konnte – OHNE zu benennen, was er/ sie genau meint.
  • Servant gibt sofort seine Schuld zu, fängt an sich zu entschuldigen, gesteht alle möglichen Fehler ein (etwas kaputt gemacht, etwas vergessen, etwas noch nicht erledigt/ zu spät…. – da könnt ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen) und verspricht sich zu bessern und es wieder gut zu machen usw. Hauptsache er/ sie verliert den Job nicht!
  • Master reagiert bei jedem Geständnis das gemacht wird, ärgerlich und mit „das auch noch…“. Aber es ist nie das, warum er/ sie eigentlich gefragt hatte.
  • Beendigung: Master beendet und akzeptiert die Entschuldigung & Wiedergutmachungsversprechen für einen Fehler. Das dürfen 3-6 verschiedene Fehler sein, die der/ die Servant sich bis dahin ausgedacht hat. Servant ist total erleichtert und bedankt sich, dass Master so nett ist und er/ sie seinen Job behalten darf.
  • Rollenwechsel – so oft bis alle mal alle Positionen eingenommen haben: Master, Servant und ggf. Beobachter:in

Austausch:

  • Wie sind die Körperhaltungen von Master und Servant, was fällt auf?
  • Wie ist die Dynamik, das Tempo der Figur. Wo sind Spannungen im Körper?
  • Wie sind Blicke und Gestik?
  • Wie spricht Master bzw. Servant (Tonlage, Ausdruck, Tempo …)

Sammelt fürs Plenum:

Was sind typische Zeichen für eine Figur, die sich für etwas Besonderes, Besseres hält?
Was sind typische Zeichen für eine Figur, die sich selbst für schlechter hält und erniedrigt wird?

Hier geht’s noch zu einem Video der Gruppe Depêche Mode, die mit ihrem Lied „Master & Servant“ in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts diese Dynamik in der Popkultur thematisierte und damit diskutierbar machte. Ganz Europa diskutierte damals, ob sie es politisch meinten oder ob es ihnen um Paardynamiken ging.

Kennst du Lieder, Künstler oder Bands, die sich heutzutage in ihrer Kunst mit diesem Thema auseinandersetzen? Egal in welche Richtung und auf welche Art, es kann auch eine Verherrlichung von hierarchischen oder patriarchalen Dynamiken sein. Sammelt eure Gedanken dazu fürs Plenum!

Bildet eine Kleingruppe von 4-5 Schüler:innen.

Schaut euch das Video der Gruppe Depêche Mode an, die mit ihrem Lied „Master & Servant“ in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Status-Dynamik in einem Popsong verarbeiteten.
Ganz Europa diskutierte damals, ob sie es politisch meinten  – also hierarchische Strukturen in der Gesellschaft ansprachen – oder ob es ihnen um Paardynamiken im Zuge der Schwulenbewegung der 80er Jahre.

Was meint ihr – auf was haben sie sich bezogen? Auf welchen Bildern oder Zeilen aus dem Video oder den Lyrics  basiert deine Meinung?

Kennt ihr weitere Lieder, Künstler, Filme, Paintings oder Bands, die sich heutzutage in ihrer Kunst mit diesem Thema auseinandersetzen?
Egal in welche Richtung, in welcher Sprache und auf welche Art. Es kann sowohl ein Kampfansage, wie auch eine Verherrlichung von hierarchischen oder patriarchalen Strukturen sein (z.B. Cardi B vs. JayO, Barbie-Movie…).

Sammelt eure Gedanken dazu fürs Plenum und tauscht euch darüber aus.

Schau dir für den Einstieg ins Thema Grenzen das folgende Video an:

Sucht euch für die folgende Sequenz einen Spielpartner/ eine Spielpartnerin.

Wie nah ist zu nah?
  • Geht in einen Gang oder einen Teil vom Schulhaus, wo ihr in etwa 8-10m Distanz voneinander stehen könnt, ohne das jemand dazwischen durchläuft.
  • A steht möglichst an einer Wandseite.
  • Stellt euch Gegenüber, um zu sehen, wo der/ die andere steht. Dann dreht sich A zur Wand um, so dass der Rücken zu B zeigt.
  • B beginnt nun langsam und lautlos, mit kleinen Schritten und möglichst unbemerkt immer weiter Richtung A zu laufen.
  • A nimmt über den eigenen Rücken wahr und versucht ein Gefühl dafür zu bekommen, wo B in etwa ist und ruft Stopp sobald das Gefühl entsteht, dass B nun die Grenze zwischen angenehmer Distanz und zu grosser Nähe überschreitet.
  • A und B wechseln sich ab.
  • Tauscht euch abschliessend über euer Erleben in beiden Rollen aus. Kamen Gefühle auf, warst du überrascht von der Nähe/ Distanz, gab es gleiche/ ähnliche Erfahrungen oder ganz andere?
Mein eigener Raum
  • A legt mit einem Springseil (alternativ ein langer Streifen WC-Papier) einen Kreis um sich herum auf dem Boden. Dieser Kreis ist der eigene Raum.
  • Vorübungen
    • B versucht A mit leichtem, sanften Schubsen aus dem Gleichgewicht zu bringen, damit A einen festen Stand finden kann.
    • B hilft mit durch Betrachtung und Rückmeldung von aussen, bis A in einer aufrechten Körperhaltung ist.
    • B geht in unterschiedlichen Tempi, auf verschiedenen Ebenen und mit Richtungswechseln um den Kreis herum – A versucht die ganze Zeit Blickkontakt zu halten.
    • B sagt auf alle möglichen Arten „Ja“ auf die A jeweils mit „Nein“ antwortet – laut und deutlich.
  • Körperlicher Angriff: B versucht A aus dem Gleichgewicht zu bringen und in den Kreis zu kommen bzw. mindestens einen Fuss in den Kreis zu stellen. Das kann auch durch Verwirrung, hinter dem Rücken o.ä. sein. A versucht den festen Stand zu behalten und sich gegen den Eindringling zu wehren.
  • Verbaler Angriff: B versucht durch Überreden, Flirten, Vortäuschen eines dringenden Grundes (lasst eurer Fantasie freien Lauf) in den Raum von A zu gelangen oder sogar eingeladen zu werden.
  • Die Person im Kreis achtet darauf, wann es leichter oder schwerer fällt, den eigenen Raum zu wahren.
  • Die Person, die versucht in den Kreis zu kommen achtet darauf, wann sie sich dabei noch gut fühlt und wann es unangenehm wird.
  • Abwechseln der beiden Positionen.
  • Abschliessend ein Austausch über eure Erfahrungen im und außerhalb des Kreises. Wann hättest du fast einladend „die Tür“ geöffnet, wo hattest du gar kein Problem abzuwehren oder Nein zu sagen? Wo bliebe es ein gemeinsames Spiel mit Spass, wo kam etwas Ernstes hinzu? Wo kam vielleicht auch Freude/ Schadenfreue bzw. Freude am Leid des anderen auf beim andauernden Angriff auf dessen Grenze? Welche Art von „Angriff“ war dir bekannt oder auch ganz fremd?

 

Anmerkung:
Auf beiden Seiten der Grenze braucht es Aggression. Aggression ist in unserem Sprachgebrauch häufig negativ bewertet. In seiner ursprünglichen Bedeutung aus dem lateinischen bedeutet das Verb “aggredere” sowohl “herangehen” wie auch “angreifen”. Ersteres beschreibt eine Kraft, die für etwas oder jemanden eingesetzt wird, eine aktive Herangehensweise, die nicht dazu dient andere Menschen zu verletzen, sondern ein biologischer Mechanismus ist, um sich zu verteidigen. Angreifen hingegen steht für den Start/ die Eröffnung eines Kampfes bei dem die Kraft gegen etwas oder jemanden eingesetzt wird.

  • Ein gewisses Mass an Aggression ist notwendig, um eine Grenze zu ziehen und sich abzugrenzen – als konstruktive Kraft. 
  • Die (sexualisierte) Gewalt hingegen ist eine destruktive Aggression, die die Grenzen absichtlich verletzt. 

Zum Abschluss dieses Themenblocks kommt hier eine Reflektionsaufgabe für dich:

Folgen und Auswirkungen

Hier bekommst du eine Idee davon, was mit Menschen passiert, die Übergriffe oder Trauma erleben und diese nicht verarbeiten oder aufarbeiten können.
Stell dir ein Trauma so vor, als wenn deine Seele eine tiefe Wunde oder Verletzung bekommen hat.

Geht zu Zweit zusammen und versucht den folgenden Lückentext auszufüllen!

Hier kommen ein paar kleine, ganz simple Übungen, die du in deinen Alltag einbauen kannst, um

  • deinen Stresslevel zu senken,
  • dich immer wieder gut in dir selbst zu verankern
  • und damit deine Resilienz (Widerstandskraft) für kritische oder stressige Situationen zu stärken.

Hier kommt eine Übersicht von Beratungs- und Hilfsangeboten für dich – zum Herunterladen oder Ausdrucken. 

    Professionelles Theater mit Sitz im Theaterhaus Thurgau, Weinfelden.

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